GEH-DENK-SPUREN 2022

31.8.2022

Mo, 01.08.2022
Seit 1. August 2022 ist im Museum Lauriacum in Enns eine Informationsausstellung zu sehen. Sie beschäftigt sich mit einem erschütternden Kapitel der österreichischen Geschichte: den Todesmärschen von Mauthausen-Gusen nach Gunskirchen unmittelbar vor Kriegsende 1945. Der Museumverein Lauriacum dankt der Arbeitsgemeinschaft „GEH-DENK-SPUREN“, vor allem Fritz Käferböck-Stelzer, für die Möglichkeit, diese Dokumentation im Museum Lauriacum zeigen zu können.

Jüdische Männer, Frauen und Kinder sowie KZ-Häftlinge, ungefähr 22.000 hungernde, ausgemergelte, kranke und sterbende Menschen mussten im März und April 1945 vom Konzentrationslager Mauthausen in das noch nicht fertige Barackenlager Gunskirchen im Gemeindegebiet Edt bei Lambach marschieren. Wer vor Erschöpfung zurückblieb oder zusammenbrach, wurde von den Bewachern ohne Erbarmen misshandelt, erschlagen oder erschossen. Eine Zeitzeugin berichtet voller Betroffenheit: „Des hat uns lange beschäftigt, so was vergisst einfach net …“ Der Leidensweg führte über die Donau-Eisenbahnbrücke durch Ennsdorf, Enns, Kristein, über Asten oder St. Florian nach Weißkirchen, Schleißheim und Wels nach Gunskirchen. Im dortigen Lager herrschten furchtbare, kaum vorstellbare Zustände. Als dort am Abend des 4. Mai 1945 ahnungslose Soldaten der US-Armee als Befreier eintrafen, waren sie zutiefst betroffen und standen dem menschlichen Elend völlig hilflos gegenüber.

Neben die zahlreichen Hinweise auf Unmenschlichkeit treten aber auch Beispiele für Zivilcourage: die Rettung eines noch Lebenden durch zwei Frauen und den Ennser Arzt Dr. Groß aus den wie ein Haufen Holz liegenden Leichen beim Friedhof in Enns, der dann aber an Typhus gestorben ist. Das Ehepaar Barbara und Ignaz Friedmann in Kristein, die den aus Rumänien stammenden David Hersch bis Kriegsende in ihrem Haus versteckt haben und der so überlebt hat.

Die Roll-Ups vermitteln ein erschütterndes Bild von den damaligen Verhältnissen und den menschenverachtenden Ereignissen in unserem Raum. Erinnert wird an persönliche Schicksale, um für die heutigen Geschehnisse in aller Welt zu sensibilisieren. Fotos, zeitgenössische Berichte und Ausschnitte aus Zeitzeugengesprächen bieten authentische Einblicke. Ein wichtiger Beitrag zur laufenden Sonderausstellung „EnnsBrücke 1945“.

Das rege Interesse der Besucherinnen und Besucher an den Sonderausstellungen bestärkt den Museumverein in seiner Absicht, einzelne Themen des römischen Lauriacum, der Stadtgeschichte von Enns und aktuelle zeitgeschichtliche Fragen in eigenen Ausstellungen im Museum Lauriacum zu präsentieren. Damit kommt die in den Statuten vorgesehene Vielseitigkeit der Aufgaben und Tätigkeiten des Museumvereines Lauriacum deutlich zum Ausdruck.

Zu sehen bis 5. November 2022 Museum Lauriacum, Hauptplatz 19, 4470 Enns, 1. Obergeschoß